TU Clausthal erhält 3,31 Millionen Euro für KI-gestützte Ingenieurausbildung

Mit dem Projekt „AI4Eng – Future Engineering Education in the Context of AI“ wird die TU Clausthal im Rahmen der Förderlinie „Die Welt ist mein Campus“ der Stiftung Innovation in der Hochschullehre gefördert. Ziel ist es, generative KI systematisch in die ingenieurwissenschaftliche Lehre zu integrieren und den neuen Bachelorstudiengang AI Engineering weiterzuentwickeln.

 

Die TU Clausthal erhält für das Projekt „AI4Eng – Future Engineering Education in the Context of AI“ eine Förderung in Höhe von 3,31 Millionen Euro. Das Projekt startet am 1. Juli 2026 und läuft bis zum 30. Juni 2030. Gefördert wird es im Rahmen der Ausschreibung „Die Welt ist mein Campus“ der Stiftung Innovation in der Hochschullehre. Insgesamt stellt die Stiftung in dieser Förderlinie 80 Millionen Euro bereit; pro Projekt konnten bis zu 3,5 Millionen Euro beantragt werden.

Der Wettbewerb war stark: Bei der Stiftung gingen insgesamt 219 Anträge ein, darunter 184 Einzelanträge und 35 Verbundanträge. Nach formaler Prüfung und Begutachtung wurden 29 Anträge als förderwürdig eingestuft, davon 24 Einzel- und fünf Verbundanträge. Das durchschnittliche Antragsvolumen der ausgewählten Einzelprojekte liegt bei 2,87 Millionen Euro.

Mit AI4Eng adressiert die TU Clausthal eine zentrale Qualifizierungslücke in der akademischen Ingenieurausbildung. Während Large Language Models, KI-Agenten und agentische KI-Ansätze bereits zunehmend in technische Entwicklungsprozesse eingreifen, sind sie in Lehrplänen und Lehrmaterialien bislang kaum systematisch verankert. Das Projekt setzt deshalb den Schwerpunkt auf „AI as a Tool for Engineering“: Generative KI soll gezielt als Werkzeug für technische Tätigkeiten wie Anforderungsanalyse, Entwurf, Simulation und Qualitätssicherung nutzbar gemacht werden.

Im Mittelpunkt steht die Weiterentwicklung des neuen Bachelorstudiengangs AI Engineering, der ab dem Wintersemester 2026/27 angeboten werden soll. Der Studiengang verbindet Grundlagen der Informatik und Künstlichen Intelligenz mit ingenieurwissenschaftlichen Studienrichtungen wie Computational Engineering, Elektronische Systeme, Energy System Engineering, Geo-Environmental Engineering, Materials Engineering, Mathematical Foundations of AI, Processes und Software Engineering. Er ist auf eine Regelstudienzeit von sechs Semestern angelegt und umfasst 180 ECTS.

Antragsteller sind Prof. Dr.-Ing. David InkermannProf. Dr. Benjamin Leiding und Prof. Dr. Andreas Rausch; Studiengangverantwortlicher ist Prof. Dr. Andreas Rausch.

Ein wesentlicher Teil der Förderung fließt in Personalstellen, die die Neugestaltung des Studiengangs unterstützen. Dazu gehören die didaktische Weiterentwicklung, Curriculums- und Kompetenzentwicklung, der Aufbau transdisziplinärer Angebote, neue Lehr- und Lernformate sowie projektbasierte Lehre. Zudem sollen Verbindungen zum gesellschaftlichen und industriellen Umfeld der Hochschule gestärkt werden.

Zu den Kernelementen des Projekts zählen ein empirisch fundiertes Kompetenzmodell für den Erwerb generativer KI-Kompetenzen im Ingenieurwesen, die Entwicklung geeigneter Lehr- und Lernformate sowie ein Qualifizierungskonzept für Lehrende. Diese sollen befähigt werden, generative KI fachlich fundiert, didaktisch reflektiert und nachhaltig in die ingenieurwissenschaftliche Hochschullehre zu integrieren. Darüber hinaus werden Lernmodule für den Bachelorstudiengang AI Engineering entwickelt, die technologische Entwicklungen, didaktische Innovationen sowie Anforderungen aus Industrie und Gesellschaft zusammenführen.

Ein besonderes Merkmal des Studiengangs ist der hohe Anteil projektbasierter Lehre. Etwa ein Drittel des Studienumfangs soll in projektorientierten Formaten stattfinden. Damit baut die TU Clausthal auf Erfahrungen aus bereits etablierten projektbasierten Studiengängen wie Digital Technologies und Intelligent Manufacturing auf. Als kleine Universität sieht die TU Clausthal eine besondere Stärke in der engen fachlichen Betreuung der Studierenden und in der Möglichkeit, innovative Lehrformate konsequent in die Studienstruktur zu integrieren.

Mit AI4Eng treibt die Universität zugleich ihren strategischen Transformationsprozess in der akademischen Lehre voran: weg von rein wissensorientierten Lehrformaten, hin zu kompetenzorientiertem, anwendungsnahem und verantwortungsbewusstem Lernen. Studierende sollen lernen, KI-Systeme problemorientiert in verschiedenen ingenieurwissenschaftlichen Disziplinen einzusetzen, Ergebnisse KI-gestützter Systeme kritisch einzuordnen und technische Entscheidungen im Hinblick auf Sicherheit, Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung zu reflektieren.

Nach Recherchen im Rahmen der Studiengangsentwicklung konnte in Deutschland kein unmittelbar konkurrierender Bachelorstudiengang identifiziert werden, der den Schwerpunkt „AI as a Tool“ im Kontext der Ingenieurwissenschaften in vergleichbarer Weise setzt. Damit positioniert sich die TU Clausthal mit AI Engineering und dem Projekt AI4Eng als Vorreiter in der KI-gestützten Ingenieurausbildung.